Today's top marketing stories

 

Diversity im Marketing - Interview mit Elisabeth Kurek
2022-06-23 00:00 UTC by Julia Bartel

Elisabeth Kurek, Vice President Cloud Marketing bei IONOS, über Frauen in Tech-Berufen, Vielfalt als Erfolgsfaktor und die Notwendigkeit von Vorstands-Commitments für das Thema Diversity – nicht nur im Marketing.

Elisabeth Kurek war, so erzählt sie es, ein sehr „girly“ Mädchen: Pink sollte ihr Spielzeug sein, eben „für Mädchen“. Entsprechend enttäuscht war sie als sie als 7-Jährige in der Lego-Abteilung eines großen Spielwarenladens nur blau-schwarze Ritter und Piraten finden konnte. Sie erinnert sich noch gut an das Gefühl übersehen worden zu sein, als Mädchen mit einer Leidenschaft für Lego und für pink.

Es ist eine Erfahrung, die viele Mädchen – auch heute noch – machen. Und nicht nur Spielzeughersteller vermarkten noch immer geschlechterstereotypisch, auch im Bereich Tech werden vermeintlich „männliche“ Produkte noch zu oft ausschließlich an Männer vermarktet. Elisabeth Kurek, Vice President Cloud Marketing von IONOS, sagt: „Wir brauchen aber Angebote für alle – egal, welche Vorlieben sie haben. Diesbezüglich findet langsam ein Umdenken statt. Aber wir haben noch viel zu tun. Vor allem in Deutschland.“

Diversität zahlt sich aus

Kurek blickt nicht nur aus einer weiblichen Perspektive auf das Thema Diversity, sie sieht es auch aus dem Blickwinkel ihrer Heimat, den USA. Und dort gilt: Was wirtschaftlich vorteilhaft ist, wird durchgesetzt. Und inzwischen belegen zahlreiche Studien, dass diverse Unternehmen bessere Ergebnisse bringen. Anleger:innen und Investor:innen tolerieren deshalb längst nicht mehr, wenn Unternehmen beim Thema Diversität untätig bleiben.

Das gilt natürlich auch für Tech-Unternehmen. Dass eine rein männliche Sicht auf die Welt nicht ausreicht, gerade wenn es um Technologie geht, die unser Leben immer mehr beeinflusst, ist offensichtlich. Sprachsteuerungssysteme, die Frauenstimmen schlechter und solche mit Akzent gar nicht erkennen, sind da nur die Spitze des Eisbergs, die zeigt, welchen diskriminierenden Einfluss eine männerdominierte, weiße Tech-Branche haben kann. Nicht nur die Produktentwicklung muss daher zwingend Menschen in ihrer Vielfalt berücksichtigen, auch das Marketing muss Diversität mitdenken. Für Elisabeth Kurek und IONOS ist das ohnehin klar: „Kaufentscheidungen werden nicht nur von Männern getroffen. Unternehmen, die Frauen als Zielgruppe nicht sehen, verpassen schlichtweg wichtige Geschäfte.“ 

Top-down macht den Unterschied

„Wer Diversität im Marketing verankern will, braucht deshalb bestenfalls diverse Teams“, sagt Kurek und ergänzt: „Doch das alleine reicht nicht. Damit sich hier etwas ändert, brauchen wir ein absolutes Commitment vom Vorstand und strukturelle Veränderungen.“ Allerdings gilt auch hier: Je homogener der Vorstand, desto weniger Fokus liegt in der Regel auf dem Thema Diversität. Was aber können Marketing-Professionals tun, die die Notwendigkeit von Diversity-Marketing sehen und entsprechend handeln wollen? Elisabeth Kurek hat ganz handfeste Tipps:

  • Seien sie immer Verbündeter. Auch weiße Männer müssen für Diversität einstehen. Es ist nicht die Aufgabe von Frauen oder Minderheiten, sondern von allen.
  • Überprüfen Sie bei Stellenausschreibungen für ihr Marketing-Team, ob Sie eine inklusive Kultur vermitteln. Laden Sie Eltern explizit ein, sich zu bewerben? Ermöglichen Sie flexible Arbeits(zeit)-modelle? Müssen die Bewerber:innen zwingend deutsch sprechen können für die zu besetzende Stelle?
  • Achten Sie bei der Besetzung von Events auf Vielfalt. Rein männliche Panels sind aus der Zeit gefallen.
  • Nutzen Sie KPIs (soweit das möglich ist) und überprüfen Sie Quoten – auch bei allen Kreativ-Teams, mit denen Sie Kampagnen entwickeln.
  • Achten Sie bei Inhalten (Bild und Text), die Sie produzieren, auch auf die Repräsentation von Minderheiten. Zeigen Sie Vielfalt – in Hinblick auf Alter, Genderidentität, sexuelle Orientierung, soziale Herkunft, ethnische Zugehörigkeit, Religion oder Behinderung.
  • Nutzen Sie gendergerechte Sprache, um auch sprachlich niemanden auszuschließen.

Es gibt viel zu tun. Fangen wir an

Auch bei IONOS gibt es natürlich noch viel zu tun, sagt Kurek selbstkritisch. Sie erzählt von einer aktuellen Kampagne, einem Werbevideo, das gerade fertig produziert war und bei dem dann auffiel: Wir zeigen keine einzige Frau. „Natürlich habe auch ich kurz gezuckt, denn mir war klar: Das bedeutet jetzt viel Mehrarbeit“, erzählt Kurek. „Aber gerade als Bereichsleiterin habe ich die Pflicht, für Diversität einzustehen.“ Und damit nicht genug: Ob Queer-Lunch oder Diversity-Days – verschiedene Maßnahmen sollen im deutschen Tech-Konzern eine inklusive Kultur stärken und helfen, unterschiedlichen Stimmen Gehör zu verschaffen. Und auch Pilotprojekte, die mehr qualifizierte Frauen in Top-Positionen bringen sollen, starten jetzt.

„Es ist wirklich viel, was man machen kann“, sagt Kurek. Und das soll keinesfalls überwältigen: „Fangen Sie einfach an - jedes Vorhaben ist ein Schritt in die richtige Richtung. Nur so kommen wir zu einer diversen und inklusiven Kultur – und schließlich auch zu einem erfolgreichen Diversity-Management.“

 Zu weiteren Stimmen aus dieser Interviewserie gelangen Sie HIER.

      

 

Content mobilized by FeedBlitz RSS Services, the premium FeedBurner alternative.