  Rusbeh Hashemian, Partner und Europe New Ventures Leader bei PwC Deutschland, über den Wert von Vielfalt – auch für Unternehmen. Und darüber, warum Diversity-Marketing mehr als ein Trend ist und welche Voraussetzungen dafür nötig sind. „Ich möchte kurz erläutern, was mein Blickwinkel auf das Thema ist“, sagt Rusbeh Hashemian gleich zu Beginn des Gesprächs. Was folgt ist ein sehr persönlicher Einblick in sein Leben und das seiner Familie. Hashemian, heute Europe New Ventures Leader bei PwC, und ab dem 1. Juli in der Geschäftsführung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft, ist das Kind geflüchteter Eltern, die in Berlin ganz neu starten mussten, auch um ihren Kindern ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Hashemian spricht über die kulturelle Vielfalt, die viele Familien in Deutschland mitbringen. Und auch über Ausgrenzung, die ebenso häufig ist: „Fünf Jahre habe ich in New York gelebt. Und fünf Jahre musste ich nicht die Frage beantworten: Wo kommst du her.“ Authentizität als Voraussetzung Warum das wichtig ist? Hashemian bringt es direkt auf den Punkt: „Diversity-Marketing kann nur ein Nachaußenkehren einer inneren Einstellung sein, die man wirklich lebt und wirklich versteht.“ Kurzum: Ohne diverse Teams kann es aus seiner Sicht auch kein gelungenes Diversity-Marketing geben. Die Konsequenz dessen ist für viele Unternehmen in Deutschland bitter. Denn Diversity-Marketing bedeutet letztendlich nichts weiter als die konsequente Ausrichtung aller Marketing-Aktivitäten an der Lebensrealität der Zielgruppen – und die ist auch in Deutschland immer vielfältiger. Dass es kaum zielführend ist an der Zielgruppe, egal ob B2B oder B2C, vorbeizukommunizieren, ist jedem Marketing-Profi klar. Gleichzeitig aber kennen viele deutsche Unternehmen ihre Zielgruppen immer schlechter, wenn ihnen selbst diverse Teams fehlen. Was sind die Alternativen? Ohne diverse Teams wird es also schwer, zielgruppengerechte Marketing-Aktivitäten zu implementieren. Was aber sollen Marketing-Professionals, die nicht auf die Insights diverser Teams zurückgreifen können, dann tun? Sollten sie lieber vorerst ganz die Finger vom Diversity-Marketing lassen? Hashemian, der in seiner Rolle unter anderem den Aufbau des digitalen Produktgeschäfts und damit auch des Produktmarketings verantwortet, sagt: „Die Zielgruppe in ihrer Vielfalt zu ignorieren ist keine Option.“ Und er ergänzt: „Diversity-Marketing muss zwingend authentisch sein. Ich kann deshalb nur dringend empfehlen: Kaufen Sie sich die Expertise im Zweifel ein – und arbeiten Sie langfristig an der Vielfalt in Ihren Teams.“ Die digitale Nähe suchen Sich mit „bunten“ Marketing-Kampagnen zu schmücken, ohne gleichzeitig eine inklusive und wertschätzende Unternehmenskultur zu leben, ist jedenfalls keine gute Idee, bestätigt Hashemian. „Unternehmen kommen damit nicht mehr durch.“ Im digitalen Zeitalter gibt es Rückmeldungen an Unternehmen schneller und ungefilterter – und das kann teuer werden: „Diese Image-Schäden kosten erhebliche Summen. Auch, weil die Aufmerksamkeitsspanne bei gesellschaftlich relevanten Themen – zu Recht –lang ist.“ Gerade kleinen und mittelständischen Unternehmen können die digitalen Kanäle aber auch als Resonanzboden dienen. Schnelles und ungefiltertes Feedback ist zwar eine große Herausforderung, kann aber auch eine Chance sein, sagt Hashemian: „Wer unmittelbares Feedback bekommt, der kann auch unmittelbar nachsteuern. Ich kann also heute auch dank meiner Social-Media-Aktivitäten als Unternehmen nachvollziehen, ob ich ein diverses Publikum in dem Maße erreiche, in dem ich es mir wünsche.“ Diversity@PwC PwC will mehr Vielfalt. Und setzt dafür eine große Bandbreite an Maßnahmen ein: Externe Beratung und Analyse der eigenen Kanäle gehört ebenso dazu wie der langfristige Aufbau diverserer Teams über alle Unternehmensbereiche und Hierarchieebenen hinweg. Die entsprechenden Kennzahlen für Deutschland liegen vor: Das Unternehmen beschäftigt über 12.000 Mitarbeitende aus 94 Nationen, im LGTBQ+ Netzwerk Shine sind 258 Personen aktiv. Fünf Generationen arbeiten bei PwC, das Durchschnittsalter liegt bei 36 Jahren. 44 Prozent sind Frauen, unter den Partner:innen sind es nur 15 Prozent. „Das ist der Status quo. Klar ist: Wir müssen besser werden – und geben uns deshalb entsprechende Vorgaben“, sagt Hashemian. Mit Petra Justenhoven hat das Unternehmen ab dem 1. Juli 2022 erstmals in der Geschichte eine weibliche Sprecherin der Geschäftsführung bei PwC Deutschland. Dass sich etwas tut, ist entscheidend. Denn auch die Kund:innen-Seite verändert sich, erklärt Hashemian: „Heute ist mein Geschäftspartner eben nicht mehr zwangsläufig immer ein weißer Mann.“ Dazu kommt: Immer mehr Einkaufsabteilungen lassen Diversität mittlerweile in die Bewertung einfließen. „Vielfalt im Unternehmen ist also längst kein Nice-to-have mehr. Es geht um Wettbewerbsfähigkeit.“ Das zeigt sich auch beim Thema Accessibility, also Barrierefreiheit, dem Hashemian und sein Team große Bedeutung beimessen: „Wir verkaufen digitale Lösungen. Wenn nicht alle Menschen diese Lösungen anwenden können, dann verlieren wir Geschäft.“ Und auch hier gilt: „Unsere Kunden sind diverser, wir sind diverser, dann müssen unsere Produkte und auch unser Marketing dazu passen.“ Diversity, Equity & Inclusion Im Gespräch mit Hashemian wird auch klar: Mit Diversität allein ist es noch lange nicht getan. Von Vielfalt über Inklusion bis hin zu gleichberechtigter Teilhabe ist es ein weiter Weg. Er spricht offen über die Vorbehalte gegenüber gendergerechter Sprache, denen er auch im Arbeitsumfeld begegnet, oder etwa über die Angst weißer Männer, jetzt plötzlich ersetzt zu werden – nur wegen ihres Geschlechts. Hashemian sagt: „Auch wir sind nicht perfekt. Das ist ein kultureller Wandel. Aber ein wichtiger.“ PwC stellt sich den Veränderungen und gestaltet diesen Wandel aktiv mit. Für eine Unternehmenskultur, in der sich jede:r willkommen und wertgeschätzt fühlt – und aus der ein gelungenes Diversity Marketing entstehen kann. Zu weiteren Stimmen aus dieser Interviewserie gelangen Sie HIER.
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